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Montag, 11. Dezember 2017

Landschaft

Der Kreis liegt im östlichen Teil der früheren Provinz Ostpreußen. Nördlich des Heimatkreises lag der Kreis Schloßberg, westlich der Kreis Gumbinnen und südlich der Kreis Goldap. Seine östliche Grenze ist gleichzeitig die Landesgrenze nach Litauen.

Etwa im nördlichen Drittel befindet sich die Kreisstadt Ebenrode (Stallupönen), 72 m über NN. Östlich Ebenrode liegt am Grenzfluß Lepone die Grenzstadt Eydtkau (Eydtkuhnen), 62 m über NN, und im Westen an der Roßbach (Pissa) die Nachbarstadt Gumbinnen, 50 m über NN. Ebenrode ist somit auf einer Anhöhe angesiedelt. Nach allen Seiten fällt das Gelände ab. Und so enden die acht nach Ebenrode führenden Straßen mit einer Steigung, wobei sich aus Richtung Bruchhöfen nach der Steigung noch ein leichtes Gefälle anschließt. Wer in die Stadt will, muß sich immer bergauf bewegen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Erklärung des alten Namens Stallupönen. Die Stadt liegt auf einer länglichen Anhöhe, die dem Ende eines flachen Bergrückens vorgelagert ist. Der nach Nordwesten weisende Teil der Anhöhe ist seitlich parallel, nahezu eben und fällt nach drei Seiten ab. Ringsherum entspringen aus der Anhöhe acht Bächlein oder Flüßchen. Diese Geländeform in Verbindung mit dem Wasser ist eine Kultstelle der Prußen gewesen, zumal im nordwestlichen Teil des Altstadtmarktes das Quellgebiet eines der acht Flüßchen, der Stallupe, lag, die über das spätere Grundstück Hotel Cabalzar zunächst in südwestlicher, dann in nördlicher Richtung abfloß und östlich Plicken in die Rauschwe einmündete. Die Quelle muß sich wohl infolge der Auflast der Gebäude verlagert haben, denn im Meßtischblatt ist das Bächlein ab der Bebauungsgrenze wieder eingetragen. (Stallupönen heißt frei übersetzt: Eine Opferstelle nahe dem Wasser, ein Heiligtum; stalas altprußisch der Tisch, upe oder appe der Fluß).

Die acht Quellen zählen zum Wassereinzugsgebiet der Memel. Die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der Memel und des Pregels verläuft ungefähr auf der Linie Grieben, Burgkampen, Tutschen, Michelsdorf, westlich Altpreußenfelde, Teufelsmoor (Packledimmer Moor), Grünhof, Amalienhof, Hopfenbruch, nördlich Kleinhopfenbruch, südlich Berningen, Bruchhöfen, Ebenflur, Rauhdorf, Schleuwen und Romeiken.

Das nördliche Drittel des Kreises ist mit ganz geringen Schwankungen nahezu eben und fällt leicht von Südwest nach Nordost ab. Die höchste Erhebung ist mit 104 m über NN der Kattenauer Berg. Dieser Teil des Kreises ist bis auf den äußersten Nordwesten ein Einzugsgebiet der Memel. Nachfolgend werden die Flüßchen genannt und die Orte (Auswahl), die an ihnen liegen (wegen der alten Flußnamen werden hier auch die alten Ortsnamen gewählt). In südnördlicher Richtung fließen die Grenzflüsse Lepone (Grenzorte Norudszen, Eydtkuhnen, Osznaggern) und die Schirwindt (Grenzorte Norudszen, Bartzkehmen und Schirwindt im Kreis Pillkallen). Von südwest- in nordöstlicher Richtung schlängelt sich die Rauschwe (Alt Budupönen, Kiddeln, Groß Degesen, Sodargen, Kosakweitschen). In die Rauschwe mündet von rechts die Trübe (Schöckstuppe) ein (Schöckstupönen, Gutweitschen). Von links fließen die Remone (Romanuppen, Kischen), die Wiesenfließ (Lepone) (Schwirgallen, Szillen) einschließlich eines namenlosen Bächleins (Schirmeyen) und die Kuhfließ (Lobinnis) (Steinkirch) mit der Wertimle (Stehlischken, Wertimlauken) zu.

Die südlich anschließenden Teile des Kreises sind in der Geländeform bewegter. Hier gibt es mehrere Einzelerhebungen. Der höchste Berg steht mit 213 m südlich Schanzenort in der Rominter Heide, die bis in den südlichen Teil des Kreises Ebenrode hineinreicht und auch einige kleinere Seen umschließt. Weitere Erhebungen sind die Dumbeler Höhe, 215 m, und der Pfeifenberg, 212 m, unweit des Wystiter Sees. Es folgen der 193 m hohe Pfaffenberg bei Birkenmühle und der 171 m hohe Horeb bei Disselberg.

Südlich der Wasserscheide strömen die Flüßchen aus südöstlicher in nordwestliche Richtungen. Die Roßbach (Pissa), ein Quellfluß des Pregels, ist ein Auslauf des Wystiter Sees (Orte Mehlkehmen, Gudellen, Susseitschen, Milluhnen, Gawehnen, Pakalnischken, Danzkehmen). Von rechts (bei Gewässern immer in Fließrichtung geschaut) münden die Bredaune (Bredauen, Mitzkaweitschen, Gawehnen) und die Schloßfließ (Dobup, auch Pillup genannt) (Pillupönen, Göritten, Pakalnischken). Von links fließen die Rodap (Rodupp) (Kinderlauken, Enzuhnen, Trakehnen) und die Heidewasser (Schwentischke oder Schwentine) zu, die westlich Schwentischken entspringt und den Kreis nach kurzer Strecke in Richtung Tollmingkehmen verläßt.

Der Kreis Ebenrode ist der waldärmste Kreis der Provinz. Von den ca. 5.000 ha Wald liegt der größte Teil im Süden des Kreises. Davon war ein Zehntel in privater Hand. Über 800 ha groß war das Teufelsmoor (Packledimmer Moor), von geringerer Größe das bei Hopfenbruch und an einigen Stellen in den Flußniederungen. Die übrigen Flächen wurden überwiegend von bäuerlichen Klein- und Mittelbetrieben landwirtschaftlich genutzt.

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